16. Juli 2026
EU öffnet Android für konkurrierende KI
In drei Tagen verdichteten sich Wettbewerb, Produktfortschritt und Regulierung: Europa griff in Googles Plattformvorteile ein, Moonshot und xAI stellten neue Spitzenmodelle vor, und China öffnete Apple eine Tür, während es zugleich KI-Begleiter strenger regulierte. Aus Assistenten werden zunehmend Arbeitsumgebungen, die recherchieren, Dateien erzeugen und Regeln wiederverwenden.
Was wichtig war
Europa greift in Googles KI-Vorteile ein
Die EU-Kommission hat zwei verbindliche DMA-Vorgaben an Google erlassen: Konkurrenzassistenten sollen Android-Funktionen wie Gemini nutzen können; unabhängige Suchmaschinen erhalten Zugang zu Suchdaten. Deutschlands Medienaufsicht stufte zudem Google AI Overviews und Perplexity als eigene Angebote ein. Sie beanstandet Googles bevorzugte Darstellung und unterwirft Perplexitys Quellenauswahl grundsätzlich den Vielfaltspflichten; Rechtsmittel sind möglich.
Grok 4.5 startet mit Automationen
xAI hat Grok 4.5 für Programmierung, mehrstufige Aufgaben und Wissensarbeit veröffentlicht. Das neue Spitzenmodell ist in Grok und über die Programmierschnittstelle verfügbar. Zugleich starten Automationen in Grok: Nutzer beschreiben wiederkehrende Aufgaben einmal und lassen sie nach Zeitplan oder beim Eingang passender E-Mails ausführen. Zeitpläne sind für alle verfügbar; E-Mail-Auslöser erfordern SuperGrok.
NotebookLM übernimmt mehr Recherchearbeit
Google hat NotebookLM mit Gemini 3.5 und Antigravity erweitert. Der Rechercheassistent kann nun in einer abgeschotteten Cloud-Umgebung Code ausführen, Quellen im Web suchen und fertige Tabellen oder Präsentationen erzeugen. Die Funktionen werden zunächst weltweit für Google AI Ultra sowie Workspace-Geschäftskunden mit „AI Expanded Access“ ausgerollt; Nutzer bestimmen weiterhin die verwendeten Quellen.
Moonshot veröffentlicht Kimi K3
Moonshot AI hat Kimi K3 veröffentlicht. Das neue Spitzenmodell verarbeitet Text, Bilder und Video, bietet ein Kontextfenster von einer Million Token und ist für längere Programmier-, Wissens- und Denkaufgaben ausgelegt. Kimi K3 ist über die Kimi-Anwendungen und die Programmierschnittstelle verfügbar; Modellgewichte hatte das Unternehmen zum Start nicht veröffentlicht.
Apple Intelligence passiert Chinas Registrierung
Chinas Internetaufsicht hat Apple Intelligence als gerätebasierten generativen KI-Dienst registriert. Damit überwindet Apple eine zentrale regulatorische Hürde für die Bereitstellung seiner KI-Funktionen im chinesischen Markt. Die Mitteilung listet Apple unter sieben neu registrierten Diensten, nennt aber weder einen Starttermin noch technische Einzelheiten zur dortigen Umsetzung.
China reguliert KI-Begleiter
In China sind am 15. Juli Regeln für menschenähnliche interaktive KI-Dienste in Kraft getreten. Anbieter von Begleit- und Rollenchatbots müssen unter anderem Minderjährige, ältere Menschen und persönliche Daten besonders schützen, Sicherheitsprüfungen vornehmen und Algorithmen registrieren. Der verbindliche Rahmen betrifft einen schnell wachsenden Produktbereich, in dem emotionale Bindung zusätzliche Verbraucher- und Gesundheitsrisiken schafft.
Europa benennt seine KI-Engpässe
Das europäische KI-Büro hat Ergebnisse aus Gesprächen mit mehr als 100 Fachleuten veröffentlicht. Europa entwickle gemessen an seiner Wirtschaftskraft zu wenige Spitzenmodelle; in den kommenden zwei Jahren seien Rechenkapazität und Energie die dringendsten Engpässe. Hinzu kommen Wachstumskapital, Talent und Rechtssicherheit für Trainingsdaten. Die Empfehlungen sind ausdrücklich keine offizielle Position der Kommission.
ChatGPT bündelt Suche und Arbeitsverläufe
OpenAI hat ChatGPT auf Web, Mobilgeräten und Desktop neu geordnet. Eine gemeinsame Suche findet Unterhaltungen, Projekte, Bilder und Dokumente über Inhaltsfilter. Auf macOS und Windows erscheinen Chat- und Work-Verläufe gemeinsam; Projekte sind dort verfügbar, cloudbasierte Work-Aufgaben lassen sich geräteübergreifend fortsetzen. Die Änderungen gelten für alle Tarife, bestehende Arbeitsbereichskontrollen bleiben unverändert.
In Unternehmen
Serveo skaliert selbst gebaute Agenten
Der spanische Infrastrukturdienstleister Serveo hat Microsoft 365 Copilot seit Mai 2025 schrittweise in den Arbeitsalltag gebracht. Mehr als 600 Beschäftigte nehmen am Einführungsprogramm teil; Fachbereiche haben mit Agent Builder, Copilot Studio und Microsoft 365 inzwischen 733 Agenten erstellt. Sie automatisieren Informationsaufbereitung, organisieren interne Daten und unterstützen wiederkehrende Abläufe in Infrastruktur, Energie, Industrie und Gebäudemanagement. Nach Angaben von Serveo und Microsoft verkürzte das Programm ausgewählte kritische Prozesse um bis zu 80 Prozent und verringerte Fehler bei anspruchsvoller Informationsverarbeitung um bis zu 95 Prozent. Die Einführung kombiniert Schulungen, Führungskräftebegleitung und fortlaufende Messung der Nutzung. 554 Personen nutzen Copilot wöchentlich aktiv. Fachabteilungen bauen die Agenten selbst; Governance bleibt im Microsoft-365-Rahmen.
Europa und Deutschland
Indra lässt Agenten-Governance zertifizieren
Der spanische Technologiekonzern Indra erhielt als erstes Unternehmen des Landes die AENOR-Zertifizierung für verantwortliche KI auf Microsoft-Basis. Geprüft wurden produktive Agenten für Mitarbeiter-Onboarding und interne Managementkontrollen sowie Indras Verfahren für Anforderungen, Datenqualität, Tests, Versionierung, Kostenkontrolle und laufende Verbesserung. Die Zertifizierung bezieht sich nicht auf ein Modell, sondern auf konkrete Systeme und deren gesamten Betriebsprozess. Sie macht damit sichtbar, welche Dokumentation Unternehmen für interne Prüfungen und spätere Aufsicht benötigen könnten. Für andere europäische Unternehmen ist daran vor allem der Nachweis über den gesamten Lebenszyklus relevant. Die Zertifizierung macht Anforderungen an Dokumentation und Lebenszykluskontrolle für produktive Agenten prüfbar.
Gebaut in Europa
Die Redaktion wählt die Produkte aus. Für die Aufnahme wird nicht bezahlt.
moinAI · Kundenservice · Deutschland
moinAI beantwortet Kundenfragen auf Websites und in digitalen Servicekanälen anhand hinterlegter Inhalte. Teams pflegen Themen, Antworten und Formulare in einer zentralen Oberfläche, kontrollieren Gesprächsverläufe und messen die Automatisierung. Ungeklärte Anliegen lassen sich mit den bereits erfassten Angaben an den menschlichen Service weitergeben.
GetAccept · Verkaufsunterlagen · Schweden
GetAccept bündelt Angebote, Verträge, Kommunikation und elektronische Unterschriften in digitalen Verkaufsräumen. Die KI unterstützt Vertriebsteams dabei, Inhalte an den jeweiligen Abschluss anzupassen und nächste Schritte aus Interaktionen abzuleiten. Anbindungen an verbreitete Kundenmanagementsysteme halten Aktivitäten und Unterlagen im bestehenden Vertriebsprozess synchron.
Parashift · Dokumentenverarbeitung · Schweiz
Parashift verarbeitet eingehende Rechnungen, Formulare und andere Geschäftsdokumente. Die KI trennt Dokumentstapel, erkennt Dokumenttypen und extrahiert definierte Felder; Mitarbeitende können unsichere Ergebnisse kontrollieren. Regeln ergänzen Stammdaten, weisen Vorgänge zu und übergeben bestätigte Informationen über Schnittstellen an nachgelagerte Buchhaltungs- oder Dokumentensysteme.