13. Juli 2026
Deutschland ordnet die Aufsicht über KI neu
Deutschland hat die nationale Aufsicht für den europäischen AI Act festgezurrt. Zugleich verlagert Google mehr KI direkt auf Endgeräte und Großbritannien vergibt einen großen Verteidigungsauftrag. Die EU-Kommission beanstandet Metas Plattformdesign, ein neuer Transparenzkodex konkretisiert Kennzeichnungspflichten, und Microsoft öffnet sein erweitertes Wettermodell Aurora 1.5.
Was wichtig war
Deutschland beschließt die nationale KI-Aufsicht
Der Bundesrat hat dem Gesetz zur Durchführung der EU-KI-Verordnung zugestimmt. Die Bundesnetzagentur übernimmt im Wesentlichen die Marktaufsicht und richtet ein Koordinierungszentrum sowie mindestens ein Reallabor ein. Nach Ausfertigung und Verkündung tritt das Gesetz am Folgetag in Kraft. Für Unternehmen werden damit Zuständigkeiten und Ansprechpartner konkreter.
Großbritannien vergibt KI-Auftrag über zwei Milliarden Pfund
Das britische Verteidigungsministerium hat einen 15-jährigen Vertrag über zwei Milliarden Pfund an ein Konsortium aus fünf britischen Unternehmen vergeben. KI, Analytik und virtuelle Umgebungen sollen jährlich 60.000 Soldaten trainieren. Der Auftrag schafft laut Regierung 270 neue Stellen und bindet mehr als 44 britische Zulieferer ein.
Google bringt Gemma 4 E2B auf Pixel-Geräte
Google hat Gemma 4 E2B für die Pixel-10-Familie vorgestellt. Das leichte Modell läuft direkt auf Googles Mobilprozessor und verarbeitet Text, Bilder und Audio ohne Internetverbindung. Eine Beta des Tensor SDK und offener Beispielcode stehen Entwicklern bereit. Lokale Verarbeitung senkt Cloud-Abhängigkeit und hält sensible Eingaben auf dem Gerät.
EU-Kommission beanstandet Metas Plattformdesign
Die EU-Kommission sieht Instagram und Facebook vorläufig im Verstoß gegen den Digital Services Act. Im Fokus stehen unter anderem personalisierte Empfehlungssysteme, Endlos-Scrollen, automatische Wiedergabe und Benachrichtigungen. Meta habe Risiken für das körperliche und mentale Wohlergehen, besonders von Minderjährigen und verletzlichen Erwachsenen, nicht ausreichend bewertet oder wirksam begrenzt.
EU billigt Transparenzkodex für KI-Inhalte
Kommission und AI Board haben den freiwilligen Transparenzkodex für KI-generierte Inhalte als geeignetes Hilfsmittel für Pflichten aus Artikel 50 des AI Act bewertet. Anbieter und Betreiber können sich anschließen, um Kennzeichnungspflichten für synthetische Inhalte, Deepfakes und bestimmte Texte umzusetzen. Die Teilnahme gilt jedoch nicht automatisch als Nachweis vollständiger Rechtskonformität.
Microsoft öffnet Aurora 1.5 für Wetterprognosen
Microsoft hat Aurora 1.5 mit Modellgewichten offen veröffentlicht. Das Erd- und Wettermodell ergänzt 22 Variablen, stündliche Vorhersagen und Wahrscheinlichkeitsprognosen. Der Schweizer Energieversorger BKW nutzt Aurora neben bestehenden Wettermodellen für seine Betriebsplanung. Energie-, Transport- und Agrarunternehmen erhalten so eine anpassbare Grundlage für wetterabhängige Entscheidungen.
In Unternehmen
Network Rail entwickelt interne Anwendungen zehnmal schneller
Der britische Infrastrukturbetreiber Network Rail nutzt generative Funktionen in Power Apps, um interne Anwendungen schneller zu entwickeln. Fachbereiche beschreiben einen Geschäftsprozess in Alltagssprache; die KI erzeugt daraus einen ersten Lösungsentwurf, den Entwickler und Prozessverantwortliche prüfen und ausbauen. Bei einer Führungskräftekonferenz entstand so in weniger als einer Stunde ein funktionierender Prototyp. Nach Angaben der Microsoft-Fallstudie schließt Network Rail entsprechende Entwicklungsprojekte inzwischen zehnmal schneller ab; Aufgaben, die zuvor Tage oder Wochen beanspruchten, dauern Stunden oder Minuten. Der Einsatz läuft in einer Umgebung mit mehr als 2.500 internen Entwicklern außerhalb klassischer IT-Rollen und klar getrennten Produktions- und Testbereichen. Die KI verkürzt einen wiederkehrenden Softwareentwicklungsprozess, während Freigaben, Datenzugriffe und Betrieb in der zentralen Governance bleiben.
Europa und Deutschland
EU prüft zentrales Register für Trainingsdaten-Widersprüche
Eine von der EU-Kommission veröffentlichte Machbarkeitsstudie zu einem europäischen Opt-out-Register kommt zu dem Ergebnis, dass ein gemeinsames Verzeichnis Rechtevorbehalte für Text- und Data-Mining besser auffindbar machen könnte. Geprüft wurden Werkkennungen, digitale Fingerabdrücke und Metadaten. Ein solches Register würde bestehende Widerspruchsmöglichkeiten ergänzen, nicht ersetzen. Die Kommission entscheidet erst nach weiterer Prüfung über nächste Schritte. Für Rechteinhaber und KI-Entwickler wäre ein einheitlicher technischer Bezugspunkt dennoch relevant: Er könnte das Erkennen geschützter Werke vereinfachen, ohne die zugrunde liegenden urheberrechtlichen Fragen selbst zu lösen. Ein standardisiertes Format könnte zudem grenzüberschreitende Lizenz- und Prüfprozesse vereinheitlichen, sofern Verlage, Plattformen und Modellanbieter es breit übernehmen.
Gebaut in Europa
Die Redaktion wählt die Produkte aus. Für die Aufnahme wird nicht bezahlt.
Embat · Liquiditätsplanung · Spanien
Embat verbindet Bankkonten und Buchhaltungssysteme, bündelt Zahlungsströme und erstellt kurz- bis langfristige Liquiditätsprognosen. Die KI unterstützt bei Kontierung und Abstimmung von Transaktionen sowie beim Erkennen von Abweichungen. Finanzteams erhalten so eine gemeinsame Sicht auf Kontostände, geplante Zahlungen und den künftigen Finanzierungsbedarf.
Metaview · Recruiting-Dokumentation · Vereinigtes Königreich
Metaview zeichnet Bewerbungsgespräche auf und erstellt daraus strukturierte, anpassbare Notizen. Die Plattform kann außerdem eingehende Bewerbungen anhand hinterlegter Kriterien prüfen und Informationen aus früheren Interviews durchsuchen. Sie ist auf Recruiting-Prozesse zugeschnitten und lässt sich mit verbreiteten Bewerbermanagement- und Terminwerkzeugen verbinden.
Aikido Security · Anwendungssicherheit · Belgien
Aikido bündelt Prüfungen von Quellcode, Cloud-Konfigurationen und laufenden Anwendungen in einer Oberfläche. Die Plattform priorisiert gefundene Schwachstellen und unterstützt Entwickler bei Korrekturen, statt Ergebnisse aus mehreren Einzellösungen zusammenzutragen. Sie eignet sich für Softwareteams, die Sicherheitsprüfungen direkt in ihren Entwicklungsprozess integrieren.