8. Juni 2026
Apple stellt Siri AI vor
Apple macht mit Siri AI einen neuen Anlauf bei persönlichen Assistenten, lässt iPhone- und iPad-Nutzer in der EU aber zunächst außen vor. OpenAI schafft sich mit einem vertraulichen Börsenprospekt mehr strategische Optionen. Im englischen Gesundheitsdienst folgt auf einen großen Copilot-Test nun der Rollout für eine halbe Million Beschäftigte.
Was wichtig war
Apple stellt Siri AI vor
Apple hat Siri AI und eine neue Generation von Apple Intelligence vorgestellt. Der Assistent soll persönliche Informationen aus Apps einbeziehen, Bildschirminhalte verstehen und Aktionen ausführen. Entwicklertests beginnen heute, eine englischsprachige Beta folgt später im Jahr. Auf iPhone und iPad startet Siri AI wegen des Digital Markets Act zunächst nicht in der EU; auf Mac und Vision Pro schon.
OpenAI bereitet einen möglichen Börsengang vor
OpenAI hat vertraulich einen Entwurf des Börsenprospekts S-1 bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Das Unternehmen hat weder einen Zeitpunkt noch einen Börsengang selbst beschlossen. Der Schritt eröffnet dennoch die Möglichkeit, früher an den Kapitalmarkt zu gehen. Für den kapitalintensiven Ausbau von Modellen und Rechenzentren entsteht damit eine zusätzliche Finanzierungsoption neben privaten Runden und Partnerschaften.
NHS England rollt Copilot an 505.000 Beschäftigte aus
NHS England stellt Microsoft 365 Copilot für 505.000 klinische und administrative Beschäftigte bereit. Ein vorheriger Test mit 30.000 Beschäftigten ergab nach Angaben der Organisation durchschnittlich 43 Minuten weniger Verwaltungsarbeit pro Nutzer und Tag. Der Vertrag umfasst Copilot Studio für eigene Agenten und Agent 365 für deren Verwaltung. Ein Qualifizierungsprogramm begleitet die Einführung im gesamten englischen Gesundheitsdienst.
Claude Mythos baut Exploits innerhalb weniger Stunden
Anthropic hat Claude an bereits veröffentlichten Sicherheitslücken getestet. Claude Mythos Preview erzeugte für acht von 18 Firefox-Lücken funktionierende Codeausführungs-Exploits und für acht von 21 Windows-Kernel-Lücken vollständige Rechteausweitungen. Die Versuche liefen ohne Internetzugang in abgeschotteten Containern und frischen virtuellen Maschinen; reale Fremdsysteme wurden nicht angegriffen. Das Zeitfenster zwischen Patch-Veröffentlichung und möglicher Ausnutzung schrumpft damit von Wochen auf Stunden.
Asana organisiert Arbeit für Menschen und Agenten
Asana hat eine neue Arbeitsoberfläche für Teams aus Menschen und KI-Agenten angekündigt. AI Teammates übernehmen spezialisierte Aufgaben, während Asana Dash Ziele, Prioritäten und offene Arbeit zusammenführt. Das Unternehmen verbindet die Agenten mit bestehenden Projekten und Zuständigkeiten. Automatisierte Arbeit erscheint dadurch im selben Ablauf, den Beschäftigte und Führungskräfte bereits für Ziele, Projekte und Verantwortlichkeiten nutzen.
Google weist Sichtbarkeit in KI-Suche gesondert aus
Google führt eigene Search-Console-Berichte für generative Suchfunktionen ein. Websitebetreiber sehen darin, wie häufig Inhalte in AI Overviews, AI Mode und generativen Discover-Funktionen erscheinen. Der Test startet zunächst bei einer Teilmenge von Websites. Für Medien, Handel und Marken wird so erstmals direkt in Googles Werkzeug messbarer, welchen Anteil KI-Antworten an ihrer Sichtbarkeit in der Suche haben.
In Unternehmen
Loyens & Loeff verkürzt Rechtsrecherche von drei Stunden auf eine
Die europäische Rechts- und Steuerberatung Loyens & Loeff hat Microsoft 365 Copilot für 1.600 Beschäftigte eingeführt. Juristen nutzen die KI für Fallrecherche, Vertrags- und Dokumentenanalyse, Mandantenkommunikation sowie Besprechungsberichte. Zwischen September 2025 und Ende Februar 2026 wurden mehr als eine Million Anfragen registriert; 94 Prozent der berechtigten Nutzer waren aktiv. Nach Angaben der Kanzlei sank die Dauer einer typischen Rechtsprechungsrecherche von drei Stunden auf eine Stunde. Entwürfe für Mandantenkommunikation sparen ungefähr eine Stunde pro Vorgang. Zusammenfassungen von Besprechungen und monatliche Berichte dauern statt einer Stunde noch 15 Minuten. Vor dem Rollout testete die Kanzlei das System ein Jahr lang. Microsoft Purview kennzeichnet und überwacht sensible Daten; SharePoint Advanced Management begrenzt Zugriffe. Mandantendaten können auf Wunsch von der KI-Verarbeitung ausgeschlossen werden.
Europa und Deutschland
OpenAI führt Werbung in Großbritannien ein
OpenAI beginnt laut den ChatGPT-Versionshinweisen vom 8. Juni mit der Einführung von Werbung für Nutzer der kostenlosen Tarife Free und Go in Großbritannien. Plus, Pro, Business, Enterprise und Education bleiben werbefrei. Damit erreicht ein neues Erlösmodell für allgemeine KI-Assistenten erstmals einen großen europäischen Markt. Werbefreiheit wird neben Verwaltung, Datenschutz und höheren Limits zu einem sichtbaren Unterschied zwischen kostenlosen und bezahlten Arbeitskonten. Andere Anbieter erhalten einen konkreten Testfall für werbefinanzierte KI-Dienste in Europa. Deutschland ist von diesem ersten Roll-out nicht erfasst.
Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt KI
Nach einer ifo-Umfrage vom Mai setzen 54,5 Prozent der Unternehmen KI in Geschäftsprozessen ein; ein Jahr zuvor waren es 40,9 Prozent. In der Industrie liegt der Anteil bei 58,7 Prozent, bei Dienstleistungen bei 56,2 Prozent. Kleine Unternehmen erreichen 51,2 Prozent, mittlere 47,2 Prozent. Häufige Einsatzfelder sind Verwaltung, Datenanalyse, Programmierung, Schriftverkehr und Recherche.
Gebaut in Europa
Die Redaktion wählt die Produkte aus. Für die Aufnahme wird nicht bezahlt.
Sally · Meeting-Dokumentation · Deutschland
Sally nimmt an Online-Besprechungen in Teams, Zoom, Google Meet oder Webex teil, erstellt ein Transkript und fasst Entscheidungen, Aufgaben sowie nächste Schritte zusammen. Die Notizen lassen sich teilen und in angeschlossene Kalender-, CRM- und Arbeitssysteme übertragen. Auch aufgezeichnete Präsenzgespräche sowie hochgeladene Audio- und Videodateien können verarbeitet werden.
ClauseBase · Vertragsentwürfe · Belgien
ClauseBase erstellt Vertragsentwürfe in Microsoft Word aus freigegebenen Vorlagen und Klauselbeständen. Rechtsabteilungen können Bedingungen, Varianten und mehrsprachige Textbausteine hinterlegen; die Software setzt daraus konsistente Dokumente zusammen. Änderungen bleiben im gewohnten Word-Ablauf prüfbar, während zentrale Klauseln und Formatregeln wiederverwendet werden.
Ebbot · Kundenservice · Schweden
Ebbot beantwortet wiederkehrende Kundenfragen im Chat auf Basis freigegebener Wissensquellen. Der Agent kann Anliegen einordnen und Fälle an vorhandene Service-Systeme übergeben. Bei komplexen Anfragen wechseln Mitarbeitende in das Gespräch, während Verlauf und Kontext für die weitere Bearbeitung erhalten bleiben.